So riskant leben Männer: Jäger und Sammler war einmal

Du verträgst Unmengen an Alkohol? Schlaf ist für dich nur notweniges Übel, was auf das Minimum reduziert wird? Unabhängigkeit ist dein zweiter Vorname? Schmerz ist dein bevorzugtes Empfinden? Glückwunsch, dann bist du ein Mann – und zu allem Überfluss krank.

Laut dem kalifornischen Männertherapeuten Herb Goldberg ist das männliche Geschlecht als krank einzustufen. Das weibliche Geschlecht wird dagegen als gesundheitsbewußt eingestuft. Mit dem Wandel der Werte und Anforderungen hat sich der Risikofaktor für Männer verstärkt und wird schon in Kindertagen gefüttert. Tatsache oder Klischee?

Gesellschaftlicher Zwang von Geburt an

Grönemeyers Allzeitfrage „Wann ist ein Mann ein Mann?“ klingt noch allen im Ohr. Doch wie kommt es zu diesem Männerbild voller Stigmata? Bereits in der Kindererziehung bekommen Jungs mit auf den Weg geben, dass sie stark sein müssen, dass Erfolg und Leistung nicht von ungefähr kommen und harte Arbeit sich auszahlt.

Wir als Männer stehen prozentual öfters im Wettbewerb mit der Gesellschaft als Frauen. Wir vergleichen uns im Job mit den Kollegen, wir wollen mehr Gewicht stemmen als der Typ neben uns und mehr Macht für beanspruchen als einzustecken. Alles Eigenschaften, die allgemein betrachtet keine positiven Assoziationen mit sich bringen.

Der amerikanische Erziehungswissenschaftler James M. O’Neil geht sogar so weit, dass Suizide bei Männern auf die gesellschaftlichen Schubladen zurückzuführen sind. Keine Hilfe annehmen, Erfolg und Leistung bis zur letzten Sekunde erbringen – selbst dann hätte ein Mann noch nach den klassischen Erwartungshaltungen gehandelt.

Stockender Wandel in der Entwicklung

Glücklicherweise sind solche Entwicklungen bereits ins Stocken geraten. Frauen in Führungspositionen, Väter in Elternzeit und das Zulassen von Gefühlen hat das stahlharte Bild des Mannes im besten Sinne geschwächt. Das Ziel ist damit jedoch noch nicht erreicht. Es bleibt der fade Beigeschmack, wenn wir nicht in allen Belangen die Klischees brechen werden.

In Punkto eigener Gesundheit bekommen es nur wenige Männer eigenständig auf die Reihe einen Termin beim Arzt zu machen oder zu akzeptieren, dass sie krank sind. Angefangen beim Husten bis hin zum gebrochenen Bein – irgendwie wird alles von selbst heilen. Als Mann wird eine körperliche Lappalie einfach ausgestanden.

Alles andere wäre ein Eingeständnis von Schwäche und Medikamente kämen einem Selbstbetrug gleich. Womit der Teufelskreis die Runde gemacht hat. Erst, wenn unsere Freundinnen nicht mehr den Hörer für uns in die Hand nehmen müssen und wir widerwillig mit ihr im Schlepptau den Hausarzt aufsuchen, durchbrechen wir vielleicht die Mauer aus falschem Stolz.

Verantwortung für andere oder das Projekt zu tragen, fällt Männern einfach. Doch nach seinen eigenen Bedürfnissen zu suchen und seinen physischen wie auch psychischen Zustand zu checken, ist ein andauernder Lernprozess. Da hilft nur locker machen und auch mal die harte Rüstung ablegen. Mehr Achtung von Anderen ist in solchen Fällen nicht ausgeschlossen.

Constantin Jacob

Wenn der Wahl-Hamburger seine Zeit nicht gerade berufsbedingt mit Filmsichten verbringt und über Marketingaktivitäten kommender Kinostarts grübelt, widmet er sich er als Freiberufler dem Texten und Schreiben.

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